Der Plan

Ich erinnere mich noch ganz genau an den Moment, als mein Freund und ich während unseres Sommer Roadtrips im August in Norwegen am Rondane Nationalpark vorbei gefahren sind und ich ganz begeistert sagte: „Hier möchte ich unbedingt einmal wandern gehen“. Wir waren beide vorher noch nie in der Gegend und waren so fasziniert von der atemberaubenden Landschaft, dass wir beide beschlossen, bald noch einmal zurückzukehren.

Zurück zu Hause im Süden Norwegens, informierte ich mich online ein paar Wochen später über den Nationalpark und fand heraus, dass der Rondane Nationalpark der älteste Nationalpark Norwegens ist. Landschaftlich wird der Park von zehn Berggipfeln geprägt, die allesamt höher als 2000 m sind. Das Hochfjell Rondane mit seinen hohen Gipfeln, tiefen Schluchten, malerischen Tälern und unglaublichen Weiten bietet eine super abwechslungsreiche Landschaft und eine atemberaubende Kulisse für Wanderer, Trekkingfans, Bergsteiger und auch Angler. Eine üppige Vegetation gibt es hier aufgrund des nährstoffarmen Bodens und des trockenen Klimas keine. Neben Zwergbirken wachsen hier auf den kargen Felsen vor allem viele widerstandsfähige Flechten und Moose. Eine Besonderheit der Tierwelt kann hier jedoch bewundert werden: Der Nationalpark ist der Lebensraum einer der letzten Herden von wilden Rentieren, die von der norwegischen Naturschutzbehörde besonders geschützt werden. Rehe, Moschusochsen und Elche können ebenfalls angetroffen werden. Dies klang für uns nach dem perfekten Ort für unsere erste Trekkingtour. Besonders im Herbst besticht die Tundra der Hochgebirgsregion durch ihre bunten Farben. Der Plan stand also, im Herbst starten wir unsere Tour im Rondane Nationalpark.

Landschaft im Rondane Nationalpark in Norwegen.
Das Ziel unserer ersten Trekkingtour in Norwegen- Der wunderschöne Rondane Nationalpark im Herbst.

Die letzten Vorbereitungen

Nur ein paar Wochen später, Anfang September, war es dann endlich so weit. Unsere erste gemeinsame Trekkingtour in Norwegen. Ein paar Tage zuvor überlegten wir uns zu Hause gründlich, welches Equipment wir in unsere Tatonka Rucksäcke packen sollten. Es sollte möglichst leicht sein, da wir das komplette Gewicht ja einige Tage auf dem Rücken tragen werden aber da es im Herbst auch schon so richtig kalt werden kann, mussten wir neben dem ganzen Essen auch genug warme Kleidung mitnehmen.

Auch für Miko, unseren Alaskan Husky/Malamute, war es die erste Trekkingtour. Auch ihn haben wir mit einem eigenen Wanderrucksack ausgestattet, damit er sein Futter und seinen Schlafsack selbst tragen kann.

Zusammen mit meinem Freund, unseren vollgepackten Rucksäcken und Miko ging es dann mit dem Auto in Richtung Rondane Nationalpark. 7 Stunden Fahrt lagen vor uns, die Wettervorhersage sah super aus und die Vorfreude war groß. Schon so lange hatte ich den Wunsch im Herbst, nur mit dem Zelt und dem Allernötigsten bepackt, die einsame und unberührte Natur Norwegens mehrere Tage lang zu erkunden. Und nun war der Tag gekommen. Wir hatten ursprünglich geplant, die klassische vier- bis fünftägige Rundwanderung von Spranget über Rondvassbu, Døralseter bis nach Bjørnhollia und wieder zurück nach Rondvassbu zu laufen.

Dabei ist jedoch vorgesehen, dass man in drei verschiedenen Hütten übernachtet, sodass man kein Essen und das komplette Camping-Equipment im Rucksack mitnehmen muss. Wir wollten jedoch komplett im Zelt übernachten und auch noch den Storulfossen mitnehmen. Somit sind wir unsere ganz eigene Route gelaufen. Und nicht nur für Miko war es die allererste Trekkingtour, sondern auch für meinen Freund. Da wir somit alle noch Trekkinganfänger waren, haben wir uns vor der Tour überhaupt keinen Druck gemacht, dass wir eine gewisse Strecke schaffen müssen. Unser Hauptziel war einfach nur, für ein paar Tage die wunderschöne Natur und Ruhe des Nationalparks zu genießen und unter freiem Himmel zu übernachten. Kleiner Spoiler: Dies ist uns auf jeden Fall gelungen, auch wenn alles etwas anders kam als geplant…

Tag 1 – Velkommen til Rondane Nasjonalpark

Ein Zugangspunkt zum Nationalpark ist die Ortschaft Mysusæter, welche man von der nahe gelegenen Stadt Otta erreicht. Über Serpentinen führt die Straße nach oben auf die Hochebene. Bei dieser Straße, die in den Nationalpark hineinführt, handelt es sich um eine gebührenpflichtige Mautstraße. Wir parkten unser Auto hier auf einem kleinen Schotterparkplatz am Storulvegen, welcher ca 1,5 km zu Fuß vom Storulfossen entfernt war.

Und dann ging es auch schon los. Es war ein wunderschöner Herbstnachmittag und das warme Sonnenlicht tauchte die komplette Landschaft in eine goldene, rötliche Färbung. Schöner hätte unsere Tour wirklich nicht beginnen können. Ich war in diesem Moment so glücklich, denn die Herbstfarben waren hier gerade an ihrem Höhepunkt und vor uns lag die schönste Herbstlandschaft.

Husky Miko am Eingang des Rondane Nationalparks in Norwegen.
Miko am Eingang des Nationalparks.

Von unserem Parkplatz aus folgten wir der Beschilderung in Richtung des Storulfossens, eine einfache und kurze Wanderung. Schon nach kurzer Zeit waren wir am Eingangsschild des Nationalparks angekommen und neben uns erstreckte sich die lange und felsige Schlucht, in die sich das Wasser der Store Ula, von einer Hochebene aus kommend, hineinstürzte. Schon von weitem konnten wir die lauten Wassermassen des Storulfossens hören.

Wir sind dem Wanderweg rechts neben dem Fluss gefolgt, bis wir auf einem kleinen Steinplateau ankamen, von dem aus wir den imposanten Wasserfall direkt vor unseren Füßen hatten. Ich empfehle dir im Sommer unbedingt Badesachen mitzunehmen, um dich im Wasserfall abzukühlen. Jetzt im Herbst war uns dies allerdings viel zu kalt. Wir waren so beeindruckt von diesem magischen Ort zum Sonnenuntergang, dass wir nach unzähligen Fotos mit der Kamera und Drohne spontan beschlossen, eine Nacht mit dem Zelt direkt am Wasserfall zu übernachten.

Trekking durch den Ronadane Nationalpark: Der Storulfossen Wasserfall.
Der atemberaubende Storulfossen direkt vor uns.

Da es im Herbst recht schnell dunkel wird, suchten wir uns etwas abseits vom Wanderweg eine flache Stelle am Fluss, wo wir unser erstes Camp aufschlugen. Wir waren überrascht, wie eisig kalt es innerhalb kürzester Zeit werden konnte, nachdem die Sonne verschwand. Am späten Nachmittag sind wir noch in unseren T-Shirts im warmen Sonnenschein zum Wasserfall gelaufen und nun saßen wir mit dicken Fleece- und Daunenjacken auf den kalten Steinen vor unserem Gaskocher und bereiteten unser Essen zu. Die Temperaturen fielen auf eisige 0 Grad und der klare Sternenhimmel über uns war einfach unfassbar schön.

Nach dem Essen krochen wir nur noch in unsere warmen Schlafsäcke. Zu diesem Zeitpunkt war ich so froh, dass ich neben meines Daunenschlafsacks mit einer Komforttemperatur von -5 Grad, auch noch das warme Schlafsack Inlet mitgenommen hatte.

Tag 2 – Vom Storulfossen nach Rondvassbu

Das Aufwachen im Zelt im stimmungsvollen Morgennebel direkt neben dem Wasserfall war eisig kalt aber wunderschön. Es war ein magischer Moment zu sehen, wie sich die Landschaft langsam aus dem Nebel löste und der warmen Sonne Platz machte. Die farbenfrohen Hügel und der klare Fluss waren ein toller Anblick. Nach einem schnellen Frühstück, es gab ein leckeres Schokomüsli, wich die morgendliche Kälte der frühherbstlichen Wärme.

Auch am Morgen herrschten Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt, sodass die warme Wollkleidung, die wir zum Glück eingepackt hatten, wirklich nützlich war. Aber mit der aufgehenden Sonne und einem Temperaturanstieg von 15 Grad, war es an der Zeit, sich mit luftigen Shirts und dünnen Hosen für den nächsten Teil der Wanderung zu rüsten.

Wegmarkierung Spranget
Die Wanderwege im Nationalpark sind durch Schilder oder rote Steinmarkierunge gut ausgeschildert.

Wir setzten den Weg vom Wasserfall fort, der dem Fluss aufwärts in den Nationalpark folgte, um weiterhin Richtung Rondvassbu zu laufen. Auf dem Weg dorthin sahen wir auch ein paar andere Camper mit ihren Zelten am Fluss und gelangten schließlich an den Ort Spranget, einem schmalen, zerklüfteten Spalt, durch den tosendes Wasser floss. Genau hier befand sich auch der Hauptparkplatz, von dem aus viele Wanderer in den Nationalpark starteten.

Nur 30 Meter von Spranget entfernt befand sich eine Brücke, die wir überquerten. Von der Brücke aus folgten wir der Hauptstraße Richtung Rondvassbu.  Auf der Hauptstraße trafen wir viele Touristen und Einheimische, die wie wir zu Wanderungen aufbrachen, Tagesausflüge zum See unternahmen und Bauern die Schafe hüteten, die im Nationalpark weideten.

Wenn du lieber wie wir etwas ungestörter laufen möchtest, empfehle ich dir die vielen kleine Abzweigungen neben der Hauptstraße zu nutzen, die uns an den Fluss Ula brachten und etwas abgelegener lagen. Je näher wir der Hütte Rondvassbu kamen, desto spektakulärer wurde die Landschaft. Die sanft geschwungenen Ebenen, unterbrochen von steil aufragenden Bergen und Felsformationen, die in wunderschönen Herbstfarben gefärbt waren, boten eine beeindruckende Kulisse.

Von einem der Aussichtspunkte in der Nähe der Hütte, hatten wir einen tollen Blick von oben auf den Fluss, den wir seit Spranget gefolgt waren und wir entdeckten ein flaches, trockenes Gebiet auf der anderen Seite des Flusses. Wir beschlossen spontan dort zu übernachten, da wir morgens beim Aufwachen einen fantastischen Blick auf das Tal und den Fluss haben würden.

Um auf die andere Seite des Flusses zu gelangen, überquerten wir eine kleine Brücke und folgten einem sehr sumpfigen und zugewachsenen Pfad. Der Platz, den wir vom Aussichtspunkt gesehen hatten, stellte sich als der perfekte Ort zum Zelten heraus und da er etwas abgelegen lag, waren wir wieder komplett allein dort.

Wir schlugen unser Lager auf und mein Freund begann, Steine zu sammeln, um ein paar improvisierte Stühle und einen Tisch für uns zum Essen zu bauen. Wir genossen die Ruhe und die atemberaubende Aussicht und nach einer warmen Trekkingmahlzeit (tagsüber aßen wir immer nur Riegel und Snacks) begann die Sonne zu verblassen und wir konnten einen wunderschönen Sonnenuntergang genießen. Nachdem die Sonne unterging, wurde es draußen wieder sehr kalt. Also zogen wir uns relativ früh ins Zelt zurück, schlüpften in unsere gemütliche Wollunterwäsche und die warmen Schlafsäcke und lasen noch etwas in unseren Büchern.

Tag 3- Ein Sturm zieht auf

Am nächsten Morgen wurden wir von einer kalten Schnauze geweckt, die ins Zelt spähte. Miko wäre am liebsten zu uns ins Zelt geklettert, da er die Enge des Außenzeltes nicht mochte und somit komplett draußen schlief. An diesem Morgen hatten wir keinen Nebel und dadurch bei Sonnenaufgang den perfekten Blick auf den See Rondvatnet und die umliegenden Berge. In diesem Moment machte mich der Gedanke, in diesem wunderschönen Land von nun an leben zu dürfen, so unfassbar glücklich.

Nachdem wir mit dem kalten Flusswasser unsere Haferflocken zum Frühstück gekocht hatten, packten wir unser Lager zusammen und machten uns auf den Weg nach Rondvassbu. Der Weg war kurz, da wir nur über die kleine Brücke zurück auf die Hauptstraße kehren mussten. Dort liefen wir ca. 1 km, bevor wir die Hütte Rondvassbu erreichten, welche am Fuße des Storronden liegt, einem der höchsten Gipfel. Rondvassbu ist eine der beliebtesten Trekkinghütten des DNT, mit einem Hauptgebäude mit einem größeren Innenbereich, einem Cafe/Restaurant und einigen Schlafräumen. Außerhalb des Hauptgebäudes gibt es noch einige weitere traditionelle Hütten und eine ausgewiesene Zeltwiese, für alle die lieber zelten aber den modernen Luxus genießen möchten, den die Hütte zur Verfügung stellt: von Toiletten über Duschen bis hin zu einem Jacuzzi.

Die DNT Hütte Rondvassbu am Rondvatnet im Rondane Nationalpark.
Die DNT Trekkinghütte Rondvassbu am Rondvatnet.

Wenn du allerdings weiter in den Nationalpark vordringen möchtest, kannst du von Rondvassbu die Fähre über den schmalen und länglichen Rondvatnet nehmen und Richtung Døralseter weiterwandern, so wie wir es ursprünglich geplant hatten. Rondvassbu ist ein idealer Ausgangspunkt, denn von hier aus lassen sich nahezu alle zehn hohen Gipfel zu Fuß in einer Tagestour erreichen.

Da wir das Panorama noch etwas genießen wollten, gönnten wir uns an der Hütte eine leckere Zimtschnecke und kalte Cola und machten uns dann auf den Weg zu dem gegenüberliegenden Aussichtspunkt oberhalb des Rondvatnets, der uns von einer Mitarbeiterin der Hütte empfohlen wurde.

Dafür überquerten wir wieder eine kleine Brücke, die uns auf die andere Seite des Sees führte. Dies war eine kurze aber steile Wanderung, bei der uns der Weg an einer zerklüfteten Gletscherspalte vorbeiführte, durch die ein Fluss in den Rondvatnet führte. Danach ging es einen steilen Schotterweg hinauf zum Aussichtspunkt. Die Aussicht war atemberaubend und der Aufstieg hat sich sowas von gelohnt. Wir standen nun also eine ganze Weile dort oben, um Fotos zu machen und die majestätische Landschaft zu genießen. Nach einer Weile fiel uns auf, dass ziemlich dunkle Wolken in der Nähe aufzogen. Sicherheitshalber checkten wir noch einmal die Wettervorhersage und das Wetter hatte sich innerhalb kürzester Zeit drastisch verändert.

Danielle und Miko blicken auf den Rondvatnet See.
Unser Ausblick auf den Rondvatnet.

Am nächsten Tag sollte ein großer Sturm aufziehen. Da wir nicht mit unserem Zelt im Sturm festsitzen wollten und ein Unwetter in den Bergen nie ganz ungefährlich ist, beschlossen wir, nicht weiter in den Nationalpark mit dem Boot zu fahren und stattdessen eine Rundtour zurück zum Ausgangspunkt zu machen. Natürlich fiel uns die Entscheidung nicht leicht, da wir unbedingt die längere geplante Rundtour weiterführen wollten. Aber wir empfanden beide, dass es die richtige Entscheidung war, rechtzeitig umzukehren.

Wir liefen also zurück zur Brücke, blieben aber auf der anderen Seite des Flusses, auf der wir in der vorherigen Nacht schon geschlafen hatten und wanderten oberhalb des Flusses über die hügeligen Ebenen zurück. Und wow, was für ein Ausblick sich uns bot, als wir die Spitze der Ebenen erreichten. Die Herbstfarben und Berge in der Ferne, die zahlreichen Wollgräser und die mit Moos bewachsene Umgebung waren einfach überwältigend.

Der Weg zurück Richtung Spranget war lang, steinig und sumpfig und langsam machten sich auch die schweren Rucksäcke auf unseren Rücken bemerkbar. Plötzlich verlor mein Freund auch noch die Sohle seines linken Wanderschuhs, sodass der Weg für ihn noch rutschiger war. Nur gut, dass er auf der Tour sowieso gemerkt hatte, dass seine alten Wanderschuhe langsam zu klein geworden sind und er sich dringend ein neues Paar zulegen muss. 😉

Auf dem Weg begegneten wir einer handvoll hübscher alter Hütten und ein paar unerwarteten Hindernissen, wie einem Teil des Weges, der von einem schnell fließenden Bach weggespült wurde. Wir mussten einige kleine Flüsse überqueren und von Stein zu Stein springen, um nicht komplett nass zu werden. Die Wanderung war ein richtiges Abenteuer und wir sind auf dem kompletten Weg niemandem begegnet.

Da wir am nächsten Morgen nicht vom Sturm geweckt werden wollten, entschieden wir uns, kein Lager mehr aufzuschlagen und den kompletten Weg zum Auto zurückzulaufen. Als wir in Richtung Nationalpark blickten und die immer dunkler werdenden Wolken sahen, wussten wir, dass wir die richtige Entscheidung getroffen hatten. Wir können jederzeit wieder herkommen und unsere Tour bei besseren Bedingungen fortsetzen. Sicherheit geht einfach immer vor!

Somit ging es also in einem Zug zurück über Spranget und den Storulfossen zum Ausgangspunkt. Da wir an diesem Tag eine wirklich lange und anstrengende Strecke zurückgelegt hatten, freuten wir uns umso mehr auf unser Zuhause und eine warme Dusche. Wir kamen auch erst abends im Dunkeln mit schmerzenden Körpern wieder am Parkplatz an und hatten noch eine lange Fahrt nach Hause vor uns. Im Auto warteten leckere Snacks und frische Kleidung auf uns und auf der Rückfahrt waren wir uns beide einig, dass wir bald wieder zurückkommen wollen, um unser Rondane Abenteuer fortzusetzen.

Trekking durch den Rondane Nationalpark: Ein Trekkingrucksack mit leistungsstarkem Rückensystem ist ein Muss.

Mein Fazit

Auch wenn unsere Tour am Ende etwas kürzer und anders ausgefallen ist, als ursprünglich geplant, haben wir jede Sekunde davon genossen. Wir möchten unbedingt noch einmal in den Rondane Nationalpark zurückkehren und noch weitere Teile ausgiebig mit dem Rucksack erkunden. Gerne würden wir auch die ursprünglich geplante Rundtour noch einmal laufen. Der Herbst und der Zeitpunkt unserer Tour waren für uns genau richtig gewählt. Wir haben es so genossen, dass wir die wunderschöne Landschaft meist völlig für uns allein hatten. Dies sieht im Sommer wahrscheinlich ganz anders aus.

Allerdings ist das Wetter, wie in vielen anderen alpinen Bergregionen in Norwegen, oft unberechenbar und spontane Wetterumschwünge nicht planbar. Gerade als Trekkingbeginner sollte man da unbedingt auf sein Bauchgefühl hören und lieber früher umkehren.

Zudem empfehle ich euch, euren Rucksack vor der Tour einmal Probe zu packen und euer Equipment ausgiebig zu Hause zu testen. Wir hätten definitiv noch etwas leichter packen können und mein Freund hat auf der Tour auch schmerzhaft festgestellt, dass seine langjährigen Wanderschuhe, die ihm eigentlich immer gut auf Wanderungen gepasst haben, bei der mehrtägigen Tour mit schwerem Gepäck leider viel zu klein waren. Aber aus diesen Erfahrungen lernt man ja… Rondane, wir kommen auf jeden Fall bald wieder!!!

Trekking im Rondane Nationalpark – meine Tipps & Packliste

Unsere Ausrüstung:

Basics:

Trekkingrucksäcke Yukon von Tatonka.
Das erste Mal unterwegs mit unseren Yukon 60+10 Trekkingrucksäcken.

Küche:

Bekleidung:

  • Gute Wanderschuhe (die Wege sind sehr felsig und sumpfig)
  • Trekkingsandalen
  • Regenjacke
  • Leichte Daunenjacke
  • Fleece
  • Trekkinghose
  • Leggings
  • Mütze
  • Basecap
  • Schlauchschal / Multifunktionstuch
  • Merinosocken
  • Merino Unterwäsche
  • T-Shirts
  • Langes Oberteil

Hygiene:

Elektronik:

  • Mein Kamera Equipment
  • Drohne
  • Stirnlampe
  • Handy mit Powerbank
  • Ladekabel
  • eReader

Sonstiges:

Essen:

  • Trekkingmahlzeiten, z. B. von Real Turmat (Frühstück und Abendbrot)
  • Teebeutel
  • Kaffee
  • Protein- und Müsliriegel
  • Schokolade
  • Magnesium Tabletten
  • Nussmix
  • Äpfel

Übernachten & Verpflegung

Das Jedermannsrecht ist unter dem Namen Allemannsretten ein traditionelles Recht in Norwegen, das jedem erlaubt, sich jederzeit und frei in der Natur zu bewegen. Die Erholung im Freien ist ein wichtiger Bestandteil der nationalen Identität und ist sogar gesetzlich geschützt. Es ist also erlaubt, auf dem Land, in den Wäldern und Bergen unter freiem Himmel zu schlafen und ein Zelt aufzuschlagen und wildzucampen. Auch wenn es natürlich ein paar einfache Regeln zu beachten gilt.

Es sollte mindestens 150 Meter Abstand zum nächsten bewohnten Haus oder zur nächsten bewohnten Hütte gehalten werden.

Hinterlasse die Landschaft außerdem immer so, wie du sie selbst gerne vorfinden würdest. Unbedingt kleine Müllbeutel mitnehmen, um deinen Müll einzusammeln.

Beachte auch, dass Lagerfeuer in der Natur vom 15. April bis zum 15. September verboten sind. Ungefährdete Orte mit geringer Brandgefahr, wie etwa am Meer oder an ausgewiesenen Lagerfeuerplätzen, sind davon jedoch ausgenommen.

An einigen Hütten kann man auch für wenig Geld die sanitären Einrichtungen nutzen und sein Zelt direkt an den Hütten aufschlagen. Wer die Tour jedoch ohne Zelt gehen möchte, der kann direkt in den bewirtschafteten Hütten übernachten. Besonders beliebt ist die Hütte Rondvassbu am malerischen See Rondvatnet. Weitere bewirtschaftete DNT Hütten im Rondane sind Bjørnhollia und Grimsdalshytta. Die Hütten sind oft sehr groß und luxuriös. Es gibt mehrere gemütliche Aufenthaltsräume mit Kamin, Sofas, leckerem Essen und auch warmen Duschen. In allen DNT Hütten kannst du mit Kreditkarte zahlen. Neben den bewirtschafteten Hütten gibt es zudem noch Selbstbedienungshütten, die unbewirtet sind. Sie verfügen über einen Vorratsschrank mit Lebensmitteln, sodass man sich bei längeren Trekkingtouren das Tragen von bestimmten Lebensmitteln sparen kann. Oft haben sie kleine Schlafräume und sind mit Daunendecken ausgestattet.

Wir hatten bei unserer Tour unser komplettes Essen im Rucksack mit dabei und haben ausschließlich im Zelt übernachtet.

Orientierung

Die Wege im Rondane Nationalpark sind dank des norwegischen Wandervereins, dem DNT(Den Norske Turistforening), sehr gut ausgeschildert. Das Wegenetz erkennt ihr ganz einfach an den kleinen Steinpyramiden, die mit einem roten ‚T‘ gekennzeichnet sind und an den blau markierten Waldpfaden. Es wird empfohlen, immer den markierten Wegen zu folgen, wenn man mit der Gegend nicht vertraut ist. Somit vermeidest du, dich zu verlaufen und die Natur bleibt nahezu unberührt und ungestört.

Da wir außerdem nicht in jedem Teil des Nationalparks Netz hatten, empfehle ich zusätzlich zur Orientierung noch eine richtige Wanderkarte mitzunehmen oder eine Offline Karte auf dem Handy von Komoot vor der Tour herunterzuladen. Somit gehst du immer auf Nummer sicher!

Trinkwasser

Das Beste an einer Trekkingtour in Norwegen ist neben den atemberaubenden Landschaften, dass du kein Trinkwasser mitschleppen musst. Denn du kannst deine Flasche direkt mit kaltem, naturreinem Wasser direkt aus kleinen Bergbächen oder Flüssen abfüllen. Das Wasser in Norwegen zählt zu den saubersten in Europa. Achte nur darauf, dass es ein fließendes und kein stehendes Gewässer ist und, dass das Wasser klar und nicht trüb ist. Flüsse eignen sich also besser als Seen oder Tümpel. Versuche jedoch Gewässer in der Nähe von Campingplätzen oder Siedlungen zu vermeiden. Auch an Flüssen, an deren Oberlauf Tiere weiden und Kot hinterlassen, solltest du kein Wasser entnehmen. Ansonsten triffst du in den Nationalparks an jeder Ecke auf Wasserquellen, sodass immer genügend Wasser zum Auffüllen vorhanden ist.

Wenn du dir trotzdem unsicher bist, kann ich dir Wasserreinigungstabletten oder einen kleinen Outdoor Wasserfilter empfehlen. Natürlich kannst du das Wasser auch ganz einfach mit deinem Kocher abkochen. Wir haben jeden Tag das Wasser direkt aus dem Fluss getrunken und hatten keinerlei Probleme.

Beste Jahreszeit

Der Rondane Nationalpark zählt mit nur 500 Millimeter Niederschlag pro Jahr zu den trockensten Orten des Landes, trotzdem ist das Wetter auch hier typisch norwegisch. Es kann also sehr schnell umschlagen. Da im Frühjahr noch viel Schnee im Nationalpark liegen kann, sollte man als Reisezeit die Monate Juli oder August wählen.

Für mich ist der September der perfekte Wandermonat, da die Herbstfärbung da besonders magisch ist und viel weniger Wanderer unterwegs sind. Allerdings muss man bedenken, dass es im September nachts schon sehr kalt werden kann. Also bring unbedingt einen warmen Schlafsack, eine gute Isomatte und warme Kleidung mit. Wenn du allerdings auf der Suche nach viel Stille, Einsamkeit und den schönsten Herbstfarben bist, ist dies deine Jahreszeit für eine Trekkingtour im Rondane.

Herbstliche Landschaft im Rondane Nationalpark.
Wir mussten ständig anhalten, um die wunderschönen Herbstfarben im Nationalpark zu bestaunen.

Anreise

Natürlich kannst du ganz entspannt mit dem Auto anreisen und die verschiedenen Parkplätze nutzen (z. B. Spranget). Wenn dies für dich keine Option ist, gelangst du am schnellsten in den Rondane Nationalpark, indem du nach Oslo-Gardermoen fliegst und dann mit der Bahn weiterreist. Der Bahnhof befindet sich gleich am Flughafen. Als Einstiegspunkte in den Rondane bieten sich dann die Bahnhaltepunkte Otta und Ringebu an. Mit dem Regionalbus könnt ihr von dort aus dann weiter nach Spranget fahren und eure Wanderung starten.

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